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Calendula

Calendula 

Ich bin eine abgelegene Bergwiese auf 1500m ü. M. Die Lute sagen, ich sei ausnehmend bunt und schützenswert. Auf mir wächst, da die Menschen mich nicht bewirtschaften, eine Vielfalt von Blumen und Kräuter, unter anderem die Schlüsselblume, die Arnika, die echte Kamille, der Feldkümmel dazu der Beinwell und natürlich die schöne Ringelblume – genau Calendula officinalis genannt.   
Calendula fand das Leben blumig inmitten dieser vielfältigen Fauna und Flora. Was da alles so neben und unter – na ja, immerhin wurde sie bis 50 cm hoch, ihrem Blätterkleid herum summte und hüpfte, das fand Calendula äusserst interessant!
Mit ihrer Verbündeten, der wohlriechenden Schlüsselblume, fanden sie sich oft in einem Reigen zusammen. Ausser dem Reh schaute ihnen niemand zu dabei, sie hatten ihren Frieden. 
Eines Tages im Juni kam einer dieser schwerfälligen Zweibeiner, genannt ‘Nonno der Unterländer’ zusammen mit der neugierigen Enkelin ‘Nomi’ den steilen Hang hochgeklettert. Sie wollten Blumen und Kräuter bestimmen, den Arten nach exakt bestimmen. Calendula passte dies gar nicht. Sie schielte äusserst beunruhigt zu den Zweibeinern hin, denn diese zertrampelten doch viele ihrer Artgenossinnen. Die Erfahrung liess sie Ungutes erahnen, doch gingen die Zweibeiner zu ihrem Erstaunen äusserst vorsichtig und akribisch zu Gange, nichts wurde ab oder ausgerissen! 

Nonno erklärte Nomi die Nutzbarkeit von Primula elatior, die Hohe Schlüsselblume. So nannte er nämlich ihre Freundin. Es gibt noch die Primula veris, beide sind geschützt. Verwundert vernahm Calendula, dass die Wurzeln ihrer Freundin den Menschen bei Husten und Schwächeanfällen helfe – so erzählte man es mindestens früher. 
Sie, die Calendula officinalis genannt, mit tief oranger Farbe, vermöge durch ihre vorzüglichen Wirkstoffe in ihren Blüten wie Carotin – Flavonoide dazu Bitterstoffe welche zur Wundheilung bei den Menschen beitrage – wenn diese sie denn nutzten! 

Erstaunt erfuhr sie, dass sie überall auf der Erde verteilt Schwestern hat: die eine lebt auf dem Acker, die Maritima gar am Meer, die Stellata, ja Stern – nein nicht im Weltall – aber gerne in warmen Gegenden. Sicher gibt es noch andere Orte, aber das hat sie vergessen. Kurz vor der Dämmerung machten sich die beiden wieder auf den Rückweg, bestückt mit unzähligem Bestimmungsmaterial und vor allem vielen Nahaufnahmen!
Ruhe kehrte ein auf der Bergwiese, diese gehörte nun wieder den eher nachtaktiven Tieren und vor allem den zahlreichen Hirschen.

elishewa 04.2020    

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