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Digitale Erzählcafés

Опубликовано: 11. August 2020 в 16:15

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Trotz der Corona-Pandemie haben sich Betroffene in den letzten Monaten immer wieder gesehen und gesprochen. Dank moderner Videokonferenz-Technologie war es ihnen nämlich möglich, sich im digitalen Raum zu treffen.

Über ein Dutzend solcher «digitaler Erzählcafés» wurden in den Monaten Juni, Juli und August durchgeführt, geleitet von Moderatorin Claudia Sollberger. Dieser Austausch vor dem Bildschirm dauert in etwa eine Stunde und wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als durchwegs positiv beurteilt. Die geführten Gespräche waren tief, der Austausch war ernsthaft und immer respektvoll. Viele waren erstaunt, dass man sich trotz der Distanz sehr nah sein kann. Ein digitales Erzählcafé, so der Tenor bei den Teilnehmenden, kann eine physische Begegnung zwar nicht ersetzten, doch aber wertvoll ergänzen. 

So manche neue Gesichter waren bei den digitalen Erzählcafés zugegen. Andere, die Computer und Handy im Tagesablauf nicht gebrauchen, haben sich in dieser Corona-Zeit in moderierten Telefonrunden ausgetauscht. Auch sie waren glücklich und zufrieden, sich mit Menschen besprechen zu können, die in ihrer Kindheit und Jugend ähnliche Lebensgeschichten erfahren hatten. Die digitalen Erzählcafés sollen auch weiterhin durchgeführt werden.


12. Mai 2020, Urs Allemann, Theresa Rohr, Renate Kaeser, Moderatorin: Claudia Sollberger

13. Mai 2020, Theresa Roth, Ivo Bamert, Anita Häusermann, Urs Allemann, Moderatorin Claudia Sollberger

Gute Neuigkeiten für Betroffene mit Ergänzungsleistungen

Опубликовано: 12. Mai 2020 в 20:06

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Der Solidaritätsbeitrag hat bei manchen Betroffenen dazu geführt, dass ihnen die Ergänzungsleistungen gekürzt wurden. Nun können diese gekürzten Gelder zurückverlangt werden. Wir informieren Sie, wie das geht.

Wenn Empfänger von Ergänzungsleistungen (EL) den Solidaritätsbeitrag von 25’000 Franken erhielten, überstieg ihr Vermögen danach in einzelnen Fällen den Betrag, welcher bei der EL-Berechnung eine Rolle spielt. Ihre Ergänzungsleistungen wurden deshalb gekürzt.

Die Politik wollte dies ändern: Eine parlamentarische Initiative verlangte, dass der Solidaritätsbeitrag bei der Berechnung von Ergänzungsleistungen keine Rolle spielen soll. Bereits erfolgte EL-Kürzungen sollten aufgehoben und rückerstattet werden. Diese Initiative und die damit verbundene Gesetzesänderung wurde im Dezember von National- und Ständerat angenommen. Die Referendumsfrist zur Gesetzesänderung lief am 8. April 2020 unbenutzt ab. 

Seit dem 1. Mai 2020 kann die gekürzte Leistung bei jener Stelle zurückverlangt werden, die sie verfügt hat. Es wird in den meisten Fällen die Ausgleichskasse sein. 

Ergänzungsleistungen wurden schon in den Jahren 2014 und 2015 wegen der Auszahlung von Soforthilfe der Glückskette an Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen gekürzt. Da es sich dort um Leistungen einer privaten Stiftung handelt, sind diese Kürzungen von der Gesetzesänderung nicht erfasst. Sie müssen nicht zurückerstattet werden. 

Neue Gesuche können gestellt werden

Für die Einreichung neuer Gesuche um einen Solidaritätsbeitrag wird die Frist auf 1. November 2020 aufgehoben. Schon vorher können das Formular sowie die Wegleitung beim Bundesamt für Justiz (Tel. +41 58 462 4284; https://www.bj.admin.ch/bj/de/home/gesellschaft/fszm.html  mit Kontaktformular) angefordert werden. Wir bleiben am Ball und werden informieren und die neue Wegleitung und die neuen Gesuchsformulare hier aufschalten, sobald sie vorliegen.

Erzählbistro in Zeiten von Corona

Опубликовано: 24. März 2020 в 19:03

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Lieber Erzählbistro-Freundeskreis

Wir alle bleiben dieser Tage wegen der Corona-Pandemie zu Hause. Wir vom Erzählbistro-Team denken dabei viel an Sie und wir freuen uns schon, wenn wir uns wieder so richtig treffen können.

Bis es so weit ist, wollen wir vermehrt über unsere Plattform «erzaehlbistro.ch» mit Ihnen kommunizieren und über einen längeren Newsletter mit Ihnen in Kontakt treten. Sie werden davon erfahren.

Zuvor noch folgendes:

Vor ein paar Tagen haben wir Ihnen mitgeteilt, dass wir Ihnen ganz bald einen Frühlingsgruss zuschicken werden.

Über 300 von Ihnen haben sich inzwischen gemeldet und uns die persönliche Post-Adresse geschickt. Wenn Sie dies bis anhin noch nicht gemacht haben sollten, bitten wir Sie, uns Ihre Adresse oder auch die Adressen von Ihren Geschwistern auf info@erzaehlbistro.ch mitzuteilen. Oder aber sprechen Sie Ihren Namen und Ihre Adresse auf unseren Telefonbeantworter. Die Nummer lautet: 078 729 71 72

Bleiben Sie gesund! Das ist nun das Wichtigste!

Herzlich,

Ihr Erzählbistro-Team

Umfrage zu sozialer Vernetzung und Einsamkeit

Опубликовано: 2. März 2020 в 19:31

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Teilnehmer*innen für Umfrage gesucht

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie führt die Universität Bern eine Umfrage zum Thema soziale Vernetzung, Einsamkeit und deren Ursachen und Wirkweisen durch.
Sie können an dieser Umfrage teilnehmen, sofern Sie mindestens 18 Jahre als sind und unabhängig davon, ob Sie sich einsam fühlen oder nicht.

Das Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, mehr über Einsamkeit/Einsamkeitsgefühle in Erfahrung zu bringen. Im Fokus stehen dabei Aspekte der Persönlichkeit, des sozialen Netzes, des Verhaltens sowie prägende Erlebnisse im Verlauf des Lebens. Mit der Untersuchung des Zusammenspiels dieser Faktoren erhofft sich das Forschungsteam, ein besseres Verständnis über die Entstehung und Aufrechterhaltung von Einsamkeitsgefühlen zu gewinnen. Dieses Verständnis soll der Entwicklung von präventiven Massnahmen und Interventionen zur Reduktion von Einsamkeit dienen.

Die Umfrage erfolgt vollständig anonym, so dass keine Rückschlüsse auf Ihre Person (Name, Wohnort, etc.) möglich sind.

Das Ausfüllen der Fragebogen dauert etwa 35 Minuten.

Als Dankeschön verlost die Abteilung für klinische Psychologie und Psychotherapie (KPP) des Instituts für Psychologie der Universität Bern fünf Bücher-Gutscheine im Wert von 20 CHF unter all denjenigen, die an der Befragung teilnehmen und am Ende in einer separaten Liste ihre Email-Adresse hierfür angeben.

Hier geht’s zur Umfrage: LINK

Vielen Dank für Ihre Teilnahme!

Erzählbistro in Treyvaux

Опубликовано: 14. Februar 2020 в 20:04

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Insgesamt fünfzig Personen trafen sich am 14. Februar 2020 im Kanton Freiburg zu einem Erzählbistro, das von ATD Quart Monde organisiert worden war. Es herrschte eine fröhliche und herzliche Atmosphäre. 

Im Atelier ihrer Wahl konnten die Teilnehmenden am Vormittag Malen, Collagen erstellen, Schreiben oder Erzählen. In einer dieser Erzählgruppen stellten die Teilnehmenden persönliche Gegenstände oder Fotos vor, welche sie von zu Hause mitgebracht hatten. Eine der Teilnehmerinnen sagte am Schluss: «Die Idee mit dem Gegenstand oder Bild war gut! Die persönlichen Erzählungen in Verbindung zu diesen Objekten haben zu einer gegenseitigen Verbundenheit geführt. Die Geschichten haben uns bewusst gemacht, was jedem von uns im Leben wichtig ist: Die Schönheit der Natur, die Familienbande, die Achtung vor den Andern und die Fähigkeit, mit den eigenen Händen kreativ zu sein.»

In einem anderen Atelier wurde von einer ausgebildeten Erzählerin eine Geschichte über ein Mädchen, das in einem Hühnerstall eingesperrt war, vorgetragen. Die Geschichte löste in den fünf Zuhörenden viele persönliche Erinnerungen aus. Sie erzählten sich, wie sie selbst von Freiheitsentzug und Feindseligkeiten betroffen waren. Trotz der Misshandlungen konnte aber die Lebensfreude bewahrt werden und man fand in einem langen Prozess seine innere Freiheit. 

«Ich erinnere mich…» – mit diesen Worten wurden in einem weiteren Atelier die Teilnehmenden dazu aufgefordert, ihre Geschichten zu erzählen. Die Moderatorin schrieb dabei das Erzählte auf. Die Erzählungen lösten bei den Anderen eigene Gedanken aus, die sie dann auch in die Gruppe einbrachten und so entstand ein lebhafter Austausch untereinander, der zu einer fröhlichen und vertrauensvollen Stimmung und zu einem spannenden Protokoll führte.

Spannend waren auch die Malateliers, welche über den intuitiven und kreativen Weg die Teilnehmenden dazu anleiteten, zu sich selbst zu finden und neue Antwort auf wichtige, persönliche Fragen zu erhalten.

Die Präsentationen waren alle sehr gehaltvoll und tiefgründig. Die wohlwollende und fröhliche Stimmung war mit einem schönen Fest zu vergleichen. Ein berührender Moment entstand, als am Schluss gemeinsam der «Ranz des Vaches», besser bekannt als «Lioba» gesungen wurde.

Dieses tief bewegende, melancholisch-frohe Lied, ähnlich «Vreneli ab em Guggisberg», liess alle in einer freundschaftlichen Verbindung – wie von einem Fest – auseinandergehen, in der Gewissheit, sich an einem nächsten Erzählbistro wiederzusehen.

Eine Teilnehmerin sagte beim Abschied, dass in diesem Jahr eine viel lockerere Stimmung geherrscht habe und alle miteinander ein Wegstück weiter gegangen seien. 

Wir hoffen auf ein nächstes Erzählbistro von ATD Quart Monde 2021!


Am Nachmittag werden Ergebnisse präsentiert und das Fazit gezogen.
Sie haben das Erzählbistro in Treyvaux organisiert: Caroline Petitat, Noldi Christen und Elisabeth Gillard, es fehlt: Anne-Claire Brand
Die Animatorin Katharina Scherr präsentiert die in ihrer Gruppe entstandenen Malereien
Ergebnisse der Gruppe: Collagen 
Die vier Jahreszeiten aus der Gruppe Malen. 

Erzählungen & Einblicke

Опубликовано: 12. Dezember 2019 в 15:28

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Die berührenden Geschichten der Betroffenen fürsorgerischer Zwangsmassnahmen müssen erzählt werden. In dieser Podcast-Serie berichten verschiedene Teilnehmende unserer Erzählcafés von ihren bewegenden Schicksalen.

 

Alois Rösch

Der 80-jährige Alois Rösch war früher Landwirt. Heute verarbeitet er seine traumatische Kindheit als Verdingbub in Gedichten. Beim Erzählbistro in Bern hat er eines davon vorgetragen und beschreibt, wie ihm eine Rose durch schwere Zeiten geholfen hat.

 

 

Alex Huwiler

Der 80-jährige Alois Rösch war früher Landwirt. Heute verarbeitet er seine traumatische Kindheit als Verdingbub in Gedichten. Beim Erzählbistro in Bern hat er eines davon vorgetragen und beschreibt, wie ihm eine Rose durch schwere Zeiten geholfen hat.Der 75-jährige Alex Huwiler wurde als Kleinkind fremdplatziert, wo er Misshandlungen erleben musste. Beim Erzählbistro in Bern berichtet er, wie das sein Leben geprägt hat und auf was er heute stolz ist.

 

 

Mario (Bachofner)

Als Scheidungskind musste Mario ins Kinderheim, wurde dort wie ein Schwerverbrecher eingesperrt und missbraucht. Der 60-Jährige berichtet, wie der Ausstieg aus Alkohol und Drogen ihm geholfen hat, sein Leben zu meistern.

 

 

Patricia

Die 49-jährige Patrica wurde als Kleinkind bei einer Pflegefamilie aufgenommen. Sie berichtet, wie sie geschlagen und mit 14 Jahren vor die Tür gesetzt wurde. Und was sie bis heute beim Gedanken an ihre leibliche Mutter beschäftigt.

 

 

Daniela Caduff 

Daniela Caduff wurde als Pflegekind schwer misshandelt und kam daraufhin in ein Kinderheim. Im «Erzählbistro» spricht die 53-Jährige darüber, dass sie sich nie hat brechen lassen und wie eine Reise nach Amerika ihr Befreiungsschlag war.

 

 

Susanna

Die 62-jährige Susanna spricht beim «Erzählbistro» von ihren schlimmen Erlebnissen im Kinderheim Bachtelen Grenchen und wie der Sport ihr geholfen hat, aus ihrem inneren Gefängnis auszubrechen.

 

 

Manuela Betschart

Manuela Betschart wurde 1963 nach der Geburt von der Mutter getrennt bis sie 20 Jahre alt war. Hin und her geschoben zwischen verschiedenen Pflegefamilien und Heimen erlebte sie bei der Fremdplatzierung schweren Missbrauch. «Mir wurde meine Kindheit gestohlen», berichtet Manuela, die sich heute für die Betroffenen engagiert – auch im Internet.

 

Erzählbistro im Indian Sommer

Опубликовано: 5. Dezember 2019 в 14:07

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Das letzte Erzählbistro in diesem Jahr hat bei strahlendem Herbstwetter in Zürich stattgefunden. Rund 50 Betroffene haben sich mit der eigenen Geschichte auseinandergesetzt – dies in einem vertrauten Kreis von Menschen, welche in der Kindheit und Jugend gleiche Erfahrungen gemacht haben.

Im Gemeinschaftszentrum Schindlergut, einem alten ehrwürdigen Gebäude, trafen sich Betroffene aus der ganzen Schweiz. Viele neue Gesichter waren unter den Gästen, aber auch solche, die bereits mehrmals an einem Erzählbistro teilgenommen haben. Darunter zum Beispiel Walter, der als Dreijähriger fremdplatziert worden war und nie ein intaktes Familienleben erlebt hatte. Das habe Auswirkungen bis heute: «Wenn jemand mit mir lieb ist, möchte ich gleich mit. Ich habe immer nach Liebe gesucht», erzählte er am Vormittag in der Gruppe und stiess dabei auf viel Verständnis. Für Walter sind die Erzählbistros ein Ort der Geborgenheit, wo er sich mit Gleichgesinnten austauschen kann. Zum Beispiel bei der Diskussion, was einem geholfen hat, trotz der schwierigen Erlebnisse weiterzumachen. Viele berichteten dabei, wie erst mit der Selbstbestimmung die Selbstachtung zurückgekommen ist; die Selbstbestimmung, die sich zum Beispiel in der selbstgewählten Alltagsgestaltung, Lebensform oder Arbeit zeigt. In diesem Sinn zog die Teilnehmenden die Geschichte eines ehemaligen Verdingkindes in den Bann, der mit seinem ersten verdienten Geld bei den Schweizer «Chilbis» ein Karussell unterhielt – auch heute noch, in hohem Alter, steht er an der Kasse einer Bahn, die inzwischen sein Sohn bedient. Das gibt ihm Kraft. Oder die Geschichte von Manuela, die ihre gestohlene Kindheit mit Malen und Schreiben verarbeitet. Sie sei nicht die, die sie eigentlich sein sollte, betonte Sie in der Gruppe: «Ich fühlte mich ein Leben lang fremd, und versuche nun, das Beste daraus zu machen». Auch ihr ist das Erzählbistro eine Hilfe hierfür. Nach einem gemeinsamen Essen über Mittag zeigten sich die Betroffenen in dem Schreib- und Malateliers kreativ oder diskutierten in der grossen Gruppe weiter. Das nächste Erzählbistro findet im kommenden Jahr statt. Über alle Aktivitäten wird frühzeitig informiert.

Sommerfest 2019 – gute Stimmung, gute Gespräche und gutes Essen

Опубликовано: 4. August 2019 в 11:42

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Zum traditionellen Sommerfest in Mümliswil sind gut 250 Personen zusammengekommen. Die Betroffenen von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen reisten aus der ganzen Schweiz an. Dabei stand bei den Reden die Frage im Zentrum, wie die Aufarbeitung der Geschichte weitergeführt werden kann – in der Gesellschaft aber auch bei den Betroffenen selber.

Bei ausgelassener Stimmung haben die Betroffenen von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen den traditionellen Sommeranlass in Mümliswil gefeiert. Der «Buurezmorge» und das «Trio Bodenständig» boten den gemütlichen Rahmen des Sommerfestes, zu dem die Guido Fluri Stiftung und das Selbsthilfeprojekt «Erzählbistro» geladen hatten.

Die Mehrzahl der Betroffenen, die für das Sommerfest in den Kanton Solothurn kamen, haben vom Bund bereits die Bestätigung erhalten, dass ihr Gesuch für einen Solidaritätsbeitrag bewilligt worden sei. Guido Fluri, der Urheber der Wiedergutmachungsinitiative, betonte dazu in seiner Rede, dass zwar kein Geld der Welt das begangene Unrecht ungeschehen mache könne. Dennoch sei der Beitrag ein wichtiges Zeichen: «Der Solidaritätsbeitrag ist die öffentliche Anerkennung, dass den Opfern Unrecht angetan wurde.» Damit zeigten Staat und Gesellschaft, dass sie ein Stück Gerechtigkeit wiederherstellen wollten. Doch damit sei es noch nicht getan, so Fluri gegenüber den Anwesenden: «Die Bemühungen der Gesellschaft um eine echte Aufarbeitung der Geschichte muss weiter gehen. Es braucht die umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung, damit das Unrecht, das früher passiert ist, heute und morgen nicht mehr passieren kann.»

Nebst Diskussionen rund um die allgemeine Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen, drehten sich viele Gespräche bei den Betroffenen um die Frage, wie man heute mit der eigenen Geschichte umgeht und wie man diese verarbeiten kann. Eine Möglichkeit, wie dies geschehen kann, zeigte sich in Mümliswil sinnbildlich in der riesigen Installation des Künstlers Franz Gehrig, selber ein Betroffener. 60 einzelne Bilder fügten sich zu einem grossen Ganzen zusammen. Wie Urs Allemann, Initiant des «Erzählbistro» in seiner Rede ausführte, geht es im Werk Gehrigs um einen sehr persönlichen Umgang mit der Geschichte: «Man könnte darin eine Wand, eine Mauer sehen. Aber das Harte ist in Farbe verwandelt. Es ist eine durchlässige Wand. Franz Gehrig spricht von einer Brücke. Diese Brücke führt zu Geborgenheit, zu Heimat und Schutz. Jeder Mensch hat in sich eine Sehnsucht nach Geborgenheit und Heimat, nach Würde und Kreativität.» Diese angesprochene Kreativität zeigte sich auch bei der Ausstellung mit Bildern und Kunstobjekten, welche Betroffene selber gemalt und gestaltet hatten. Daneben besuchten die Gäste die Nationale Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder, welche ebenfalls in Mümliswil gelegen ist.

Das Sommerfest 2019 war ein voller Erfolg. Der nächste Anlass des «Erzählbistro» findet für die Westschweizer Betroffenen nach den Sommerferien statt. Am 22. August treffen sie sich in Fribourg. Informationen folgen. Der nächste Anlass für die Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer wird für den Herbst im Raum Zürich organisiert

«Podcast – was ist das?» – Erzählbistro in Bern

Опубликовано: 9. April 2019 в 15:24

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Auch das zweite Erzählbistro, das 2019 in der Deutschschweiz stattgefunden hat, war wieder voll ausgebucht: 50 Gäste verbrachten in der «Heitere Fahne» in Wabern bei Bern einen gemeinsamen Tag. Dabei wagten sich manche Betroffene, die ihre Geschichte für sich und die Nachwelt konservieren wollten, an das Format «Podcast» heran: Erste Audiodateien mit Geschichten zum Nachhören sind so entstanden.

Die «Heitere Fahne» wurde ihrem Namen gerecht. In fröhlicher Stimmung besammelten sich 50 Betroffene aus der ganzen Deutschschweiz bei bestem Frühlingswetter im Berner Kulturhaus. Beim Erzählen an den Gruppentischen flossen stellenweise auch Tränen. Doch die Betroffenen unterstützten sich gegenseitig, sprachen sich Mut zu und ermunterten sich. Die Anwesenden hörten einander zu, tauschten sich aus, vor allem über die Frage, was ihnen geholfen hat, mit der Vergangenheit umzugehen. In einer der vier Gruppen vermochte ein ehemaliger Verdingbub die Zuhörerinnen und Zuhörer mit einem Gedicht, das er selbst geschrieben hatte, zu begeistern und zu berühren. «Ich habe schon mit vielen Menschen über meine Geschichte gesprochen», sagte eine der Anwesenden daraufhin und fügte gleich an, «doch erst hier im ‘Erzählbistro’, unter Menschen, denen das gleiche Schicksal widerfahren ist, bin ich mir sicher, dass man mich auch versteht»

Neue und alte Freundschaften

Ein emotionaler Höhepunkt fand während einer Erzählrunde statt, als sich zwei Betroffene plötzlich wiedererkannten und in die Arme fielen. Beide Frauen waren am gleichen Ort fremdplatziert gewesen und hatten sich nach 50 Jahren im «Erzählbistro» zum ersten Mal wiedergesehen. In der Folge blieben die beiden Frauen während des ganzen Tags beieinander und erzählten sich, wie es ihnen in all den vielen Jahren ergangen ist.

Am Nachmittag, nach einem währschaften Essen, konnten die Gäste in eine weitere Diskussionsrunde, ins «Malatelier» oder in die «Schreibstube». Für diejenigen, die ihre Geschichte aufgezeichnet haben wollten, hat das Erzählbistro zum ersten Mal sogenannte «Podcast» angeboten. Eine Studentin der Universität Freiburg hat die Geschichten von einem halben Dutzend Betroffenen aufgenommen und produziert daraus kurze Audiodateien zum Nachhören. Eine Kostprobe werden wir bald hier veröffentlichen.

Das Publikum in Wabern kurz vor der Gruppeneinteilung und der ersten Erzählrunde. Marie-Louise Streich-Aemmer und Renate Käser fanden sich nach 50 Jahren am Erzählbistro wieder.

 

Erzählen, Schreiben und Malen – Erzählbistro in Winterthur

Опубликовано: 8. April 2019 в 15:43

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Rechtzeitig zum Frühlingsanfang sind 40 Betroffene in Winterthur zusammengekommen. Sie erzählten am Vormittag vom Erlebten und experimentierten am Nachmittag mit neuen kreativen Ausdrucksformen: Eine Gruppe nahm in der «Schreibstube» Blatt und Stift zur Hand. Die andere Gruppe brachte im «Malatelier» die eigene innere Stärke mit Pinsel und Farbe zum Ausdruck.

Die Villa Sträuli in Winterthur mit ihren wunderschönen Räumlichkeiten und ihrer reichen Geschichte war der passende Ort für die Erfahrungsberichte der Betroffenen. Fast 40 ehemalige Verdingkinder und Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen kamen im Rahmen des ersten deutschsprachigen Erzählbistro 2019 zusammen und berichteten über das Gestern und wie sie mit dem Erlebten heute umgehen. Viele erzählten, wer oder was ihnen geholfen hat, die traumatischen Kindheitserlebnisse zu bewältigen – etwa eine verständnisvolle Ehefrau, mit der man eine Familie gründete. Oder das eigene Haus oder ein erblühender Garten, die einem tagtäglich vor Augen führen, dass man es trotz aller Widrigkeiten im Leben geschafft hat, ein Zuhause – auch für andere Menschen – entstehen zu lassen.

Von Sätzen und Bildern

Nach einem feinen Mittagessen und einer hausgemachten Crèmeschnitte startete der Nachmittag mit einem neuen kreativen Programm: Die Gäste hatten die Möglichkeit, entweder weiter zu diskutieren, zu malen oder die eigene Geschichte zu verschriftlichen: In der «Schreibstube» berichteten manche Betroffenen, wie sie die fehlende Schulbildung lange Zeit oder teilweise noch bis heute daran gehindert habe, das Erlebte niederzuschreiben. «Mich überkommt bis heute eine Panik, wenn ich einen Griffel in die Hand nehme», sagte einer der Teilnehmenden.

Doch Rechtschreibung steht nicht im Vordergrund, wenn es um die Konservierung der Geschichten geht, da waren sich alle Anwesenden einig. Sie sprachen sich gegenseitig Mut zu und berichteten, wie sie die anfängliche Scham überwunden hätten, «Ich schreibe heute so, wie mir der Schnabel gewachsen ist», sagte eine der Frauen. Manche der Anwesenden hatten sogar bereits ihre Geschichte veröffentlicht. Andere suchten nach dem richtigen Anfang und wurden dabei unterstützt. Nach wenigen Minuten formierten sich bei ihnen in der «Schreibstube» die ersten Sätze zu einem Ausschnitt einer bewegten Lebensgeschichte.

Im «Malatelier» kreierten Betroffene im Verlaufe des Nachmittages Bilder, welche die eigene Gefühlslage wiederspiegelten. Die Bilder nahmen die Betroffenen ebenso nach Hause, wie das Empfinden, einen spannenden Tag im Kreis von Menschen verbracht zu haben, die einem tatsächlich verstehen.