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Mit einer Gruppe von 80 Personen hat das Erzählbistro das Mémorial in Sion besucht, das an das Leid der Verdingkinder und anderen Betroffenen erinnert. Dabei entschuldigte sich der Walliser Staatsrat Mathias Reynard im Namen der Regierung für die fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. Die Anwesenden waren sichtlich berührt. 

Wie lässt sich der Geschichte der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen mit den Mitteln der Kunst begegnen? Wie kann ein Denkmal an Unrecht erinnern, ohne die unterschiedlichen Lebensgeschichten der Menschen auf eine einzige Erzählung zu reduzieren? Laut der Kantonsarchivarin und Direktorin des Staatarchivs Wallis Fabienne Lutz-Studer war dies die grösste Herausforderung bei der Konzeption des Mémorials. Schliesslich hat man in einem Kinderspiel die Antwort gefunden.

„Ciel et enfer“

Das Kinderspiel „Himmel und Hölle“ war Ausgangspunkt für den Künstler Raphael Stucky. Seine Installation besteht aus 10 Steinplatten. Sie sind in den Boden eingelassen und tragen die Ziffern 0 bis 9. Die Platten sind viel grösser als beim normalen Kinderspiel. Zwischen den Platten liegen zu grosse Abstände. Die Sprünge werden schwierig oder unmöglich. Die vertraute Ordnung ist beim Mémorial also verändert. „Das veränderte Kinderspiel lässt eine Frage entstehen: Was bedeutet Kindheit, wenn über wesentliche Teile des eigenen Lebens andere entscheiden“, so Kantonsarchivarin Lutz-Studer. Und weil Menschen erfasst und kategorisiert wurden, weil Akten angelegt wurden, sei das Kunstwerk hier im Staatsarchiv genau am richtigen Ort.

Emotionale Entschuldigung

Mit diesem Denkmal wolle die Walliser Regierung zum Ausdruck bringen, dass die Geschichte der ehemaligen Verding- und Heimkinder eng mit der Geschichte des Wallis verbunden sei. Das bedinge, dass man auch Verantwortung übernehme. In diesem Sinn richtete sich Staatsrat Mathias Reynard an die anwesenden Gäste des Erzählbistros: „Im Namen des Staatsrats möchte ich Ihnen die offizielle Entschuldigung des Kantons Wallis aussprechen.“

 

Freude und Dankbarkeit

Bei den anschliessenden Erzählcafés wurde viel über Erinnerung gesprochen. Und dabei sind auch Tränen geflossen. Und der Freude Ausdruck gegeben, dass man im Rahmen des Erzählbistros über alles sprechen könne. Diese Vertrautheit wurde auch beim Mittagessen spürbar, das gemeinsam im Archiv eingenommen wurde. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Was für ein ereignisvoller Tag! Ein grosser Dank geht an Claude Demont, der zusammen mit Paule Devanthey diesen Anlass nicht nur angestossen, sondern auch organisiert hatte.

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