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800 ehemalige Heim- und Verdingkinder sowie andere Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen sind in Langenthal zum nationalen Treffen zusammengekommen. Geladen hatte die Guido Fluri Stiftung, die mit der erfolgreichen «Wiedergutmachungsinitiative» das Schicksal der Verdingkinder ins nationale Bewusstsein und damit aufs politische Parkett gerückt hatte. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider betonte an der Veranstaltung die Wichtigkeit dieses Treffens für die Betroffenen und die Schweiz als Ganzes. Das Leid, das die fürsorgerischen Zwangsmassnahmen über so viele Menschen gebracht hatten, dürfe nie vergessen werden.

Die grösste Zusammenkunft ehemaliger Heim- und Verdingkinder fand in diesem Jahr in Langenthal statt. Die Gäste gehören zu den letzten noch lebenden Zeitzeuginnen und -zeugen dieses dunklen Kapitels der Schweizer Sozialgeschichte. Für Sozialministerin Elisabeth Baume-Schneider hat dieses Treffen der Guido Fluri Stiftung eine Bedeutung, die über den heutigen Tag hinausgeht: «Erinnerungen und Verletzungen, die man lange allein getragen hat, werden leichter, wenn man sie teilen kann. Und das gemeinsame Erinnern ist auch ein Beitrag an die Gesellschaft: Es hält wach, was nicht in Vergessenheit geraten darf.» Die Schweiz habe begonnen, dieses Kapitel aufzuarbeiten, so die Bundesrätin: «Aber Aufarbeitung ist kein abgeschlossenes Projekt. Sie ist ein Prozess. Aufarbeitung braucht Kontinuität, braucht Aufmerksamkeit, braucht Geduld. Nur wenn die Aufarbeitung von Dauer ist, wird auch das Erinnern von Dauer sein.»

Guido Fluri dankt der Bundesrätin
Für Guido Fluri, den Urheber der «Wiedergutmachungsinitiative», ist der Besuch der Bundesrätin der Beweis, dass sich im kollektiven Gedächtnis und Bewusstsein bereits eine Veränderung ergeben hat: «Die Anwesenheit der Bundesrätin bei 800 Menschen, die keineswegs auf der Sonnenseite des Lebens standen und viel Leid erfahren haben, ist Teil einer breiteren Wiedergutmachung. Damit zeigt sich, dass sich die Politik von heute mit der Politik von früher auseinandersetzt und sich aktiv bemüht, ein Stück Gerechtigkeit wiederherzustellen.»

Schutz der Kinder von früher und von heute muss im Zentrum bleiben
In seiner Rede schlug Guido Fluri, dessen Stiftung im Kindesschutz tätig ist, die Brücke von der «Wiedergutmachungsinitiative» aus dem Jahr 2014 zur aktuellen «Internet-Initiative», welche die Verbreitung sexueller Gewalt im Netz unterbinden will: «Das vergangene Jahrhundert hat uns gezeigt, was Schweigen, Wegsehen und institutionelles Versagen anrichten können. Das Jahr 2026 wird daran gemessen werden, ob wir erneut wegsehen oder ob wir endlich hinschauen. Ob Politik, Gesellschaft, Schulen, Familien und Technologieunternehmen bereit sind, den Schutz von Kindern höher zu gewichten als Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit und vor allem Profitgier.»
Im Unterstützungskomitee der «Internet-Initiative» sind Vertreterinnen und Vertreter aller Parteien im Bundeshaus vertreten. Die überparteiliche Initiative hat in den ersten drei Monaten bereits 40’000 Unterschriften gesammelt.

Über die Guido Fluri Stiftung
Die Guido Fluri Stiftung verfolgt drei unterschiedliche Zwecke, die alle einen Bezug zur persönlichen Geschichte von Stiftungsgründer Guido Fluri haben. Der Unternehmer gründete die Stiftung im Jahr 2010. Sie ist eigenfinanziert und realisiert ihre Projekte ohne Spendensammlungen. Alle von der Stiftung lancierten Projekte zielen darauf ab, die Lebenssituation von Betroffenen tiefgreifend zu verbessern: Familien stärken, damit Kinder in einem Zuhause ohne Gewalt aufwachsen. Transparenz und Fortschritt in der Medizin bewirken, damit Menschen mit einem seltenen Hirntumor bestmögliche Heilungschancen erhalten. Angehörige unterstützen, damit Menschen mit Schizophrenie an unserer Gesellschaft teilhaben können.

Öffentliche Bekanntheit erlangte die Guido Fluri Stiftung im Jahr 2014 durch die Lancierung der Wiedergutmachungsinitiative. Sie hatte zum Ziel, eine finanzielle Wiedergutmachung für Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen sowie eine wissenschaftliche Aufarbeitung zu bewirken. Im Jahr 2015 nahm das Bundesparlament einen Gegenvorschlag an, der die Kernpunkte der Initiative umfasste.
Weitere bekannte Projekte der Stiftung sind die Interessengemeinschaft IGAN für Betroffene eines Akustikusneurinoms, die Anlaufstelle KESCHA für Menschen, die mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) in einer Konfliktsituation stehen, die Informations- und Beratungsplattform Leben mit Schizophrenie sowie die europäische Justice Initiative. Im März 2026 wurde die «Internet-Initiative» lanciert, mit der die Verbreitung von pädokriminellem Material, von sexueller und anderer Gewalt konsequent bekämpft, die Bevölkerung vor Cyberkriminalität geschützt und den Risiken von Desinformationskampagnen mit gezielten Massnahmen entgegengetreten werden soll.

Beitrag von TeleBärn (13.06.2026, 18 Uhr): Klicken Sie hier

Beitrag von TeleM1 (13.06.2026, 18 Uhr): Klicken Sie hier

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